Cyberangriff auf Arztpraxis: Risiken, Vorbeugung und Notfallplan für Praxen
Von Robert Muhlack
Die Digitalisierung erleichtert den Praxisalltag, bringt aber auch neue Risiken mit sich. Ein Cyberangriff auf Ihre Arztpraxis kann sensible Patientendaten gefährden. Er unterbricht die Handlungsfähigkeit Ihrer Praxis und verursacht erhebliche Kosten. Als EDV-Spezialisten für das Gesundheitswesen wissen wir von Doctago, dass gerade Arztpraxen ein bevorzugtes Ziel von Hackern sind. Umso wichtiger sind eine funktionierende IT-Infrastruktur, wirksame Schutzmaßnahmen und ein klarer Plan für den Notfall. Wir verraten Ihnen, wie Sie Cyberattacken vorbeugen, im Ernstfall richtig reagieren und Ihre Praxis-IT zuverlässig absichern.
Das Wichtigste rund um Cyberangriffe und Cybersicherheit im Gesundheitswesen
- Hohe Risiken: Cyberangriffe können Patientendaten gefährden und den Praxisbetrieb lahmlegen.
- Schwere Folgen: Eine digitale Attacke gefährdet nicht nur die sensiblen Daten Ihrer Patienten, sondern bedeutet oftmals auch finanzielle Folgen und Vertrauensverlust.
- Schnelle Reaktion: Ein individueller Krisenplan, zum Beispiel auf Basis der BSI-Notfallkarte, hilft, Schäden zu begrenzen und den Praxisbetrieb möglichst schnell wiederherzustellen.
- Gezielte Prävention: Updates, Firewalls und ein geschultes Team reduzieren das Risiko.
- Professionelle Unterstützung: Ein externer IT-Spezialist unterstützt Praxen bei der Absicherung ihrer IT – für mehr Cybersicherheit.
Schützen Sie Ihre Praxis vor digitalen Bedrohungen
Wir von Doctago unterstützen Sie dabei, Sicherheitslücken zu erkennen und Ihre IT zuverlässig abzusichern. Vereinbaren Sie jetzt einen Beratungstermin.
Was ist ein Cyberangriff
Was ist ein Cyberangriff oder ein Hackerangriff und warum passiert so etwas in Arztpraxen?
Bei einem Cyberangriff versuchen Kriminelle, unbefugt in IT-Systeme einzudringen, um Daten zu stehlen oder Zugriff auf einzelne Systeme zu erlangen. Bei einem Hackerangriff auf eine Praxis können beispielsweise Dokumente gestohlen, Computer verschlüsselt oder Praxissoftware unbrauchbar gemacht werden. Ziel der Angreifer ist häufig eine Lösegeldforderung.
Medizinische Einrichtungen sind aus mehreren Gründen attraktive Ziele:
- Sie verarbeiten besonders sensible (und somit für Hacker äußerst lukrative) Gesundheitsdaten.
- Sie sind auf eine funktionierende IT angewiesen.
- Sie können bei einem Systemausfall häufig nur eingeschränkt arbeiten, was einen enormen Druck auslöst.
- Gerade kleineren Praxen fehlen häufig die Ressourcen für ein umfassendes Sicherheitsmanagement. Sie sind daher oft ein leichtes Ziel.
Gut zu wissen
Es sind nicht immer nur die großen Krankenhäuser und MVZ, die ins Visier geraten, sondern auch kleine Praxen. Denn Cybervorfälle erfolgen nicht immer durch einen gezielten Angriff auf eine bestimmte Einrichtung. Oftmals suchen die Angreifer mit automatisierten Programmen nach veralteter Software, unsicheren Zugängen oder schlecht geschützten Netzwerken. Deshalb kann es grundsätzlich jede Praxis treffen – unabhängig von Größe oder Fachrichtung.
Gefahren erkennen
Welche Arten von Cyberattacken in Praxen gibt es?
Cyberkriminelle nutzen unterschiedliche Methoden, um Zugriff auf Praxisdaten und IT-Systeme zu erhalten. Zu den häufigsten Gefahren zählen Ransomware, Phishing und der Missbrauch gestohlener Passwörter. Sie alle können dazu führen, dass der Praxisbetrieb und somit die Patientenversorgung erheblich gestört werden. Der digitalen Bedrohung folgt meist eine Erpressung mit Lösegeldforderung.
Verschlüsselte Patientendaten: Ransomware als die größte Gefahr für medizinische Einrichtungen
Bei Cyberattacken in der Gesundheitsbranche handelt es sich oftmals um Ransomware. Der Name kommt vom englischen „Ransom“, auf Deutsch: Lösegeld. Bei einem Ransomware-Angriff wird Schadsoftware in ein IT-System eingeschleust, die den gesamten Bildschirm sperrt oder Dateien oder ganze Systeme verschlüsselt. Diese Verschlüsselung verhindert die Nutzung wichtiger Praxisdaten. Das Eindringen gelingt durch Sicherheitslücken im System, durch unsichere Links oder Phishing-Mails. Anschließend drohen die Cyberkriminellen mit der Veröffentlichung und fordern Lösegeld für die Wiederherstellung der Daten.
Phishing als Risiko für die Datensicherheit
Die größte Sicherheitslücke ist der Mensch. Das ist gerade im Arbeitsalltag der Fall, wenn es stressig zugeht und ein hoher Zeitdruck herrscht. Da reicht ein einziger unbedachter Klick – und die Malware landet in Ihrem System. Eine beliebte Masche im Internet ist das Phishing. Dabei wird versucht, die Mitarbeiter durch gefälschte E-Mails, Nachrichten oder Webseiten zur Herausgabe vertraulicher Informationen zu bewegen. Häufig geben sie sich als bekannte Dienstleister oder andere vertrauenswürdige Absender aus. Ein Klick auf einen manipulierten Link oder E-Mail-Anhang kann bereits ausreichen, um Schadsoftware einzuschleusen oder Zugangsdaten abzugreifen.
Weitere Cyberattacken im Gesundheitswesen
Neben ungewollter Verschlüsselung gibt es weitere Bedrohungen für die IT-Sicherheit Ihrer Praxis:
- Passwortdiebstahl: Kriminelle nutzen gestohlene oder leicht zu erratende Zugangsdaten.
- DDoS-Angriffe: Bei einem sogenannten DDoS-Angriff (Distributed Denial of Service) handelt es sich um einen Überlastungsangriff. Digitale Dienste wie die Praxis-Website, die Online-Terminvergabe oder die TI werden durch eine künstlich erzeugte Datenflut unerreichbar gemacht.
- Social Engineering: Angreifer manipulieren Mitarbeitende durch Fake-Anrufe und Co, um an Informationen oder Passwörter zu gelangen.
- Lokale Sicherheitslücken: Veraltete Software und falsch konfigurierte Systeme erleichtern unbefugtes Eindringen.
- Schwachstellen in der TI: Über falsch konfigurierte TI-Konnektoren können Cyberkriminelle ins Praxisnetzwerk eindringen.
Die Folgen
Welche Folgen kann eine Cyberattacke auf eine medizinische Einrichtung haben?
Ein Cyberangriff betrifft nicht nur die Technik. Er kann den gesamten Praxisbetrieb beeinträchtigen und das Vertrauen der Patientinnen und Patienten belasten. Wie schwer die Folgen ausfallen, hängt unter anderem von der Art des Angriffs und den betroffenen IT-Systemen ab.
Mögliche Konsequenzen sind:
Unterbrechungen des Betriebs: Termine, Dokumentation und Abrechnung sind nur eingeschränkt oder gar nicht möglich.
Gefährdung sensibler Daten: Gesundheitsdaten können offengelegt, verändert oder gestohlen werden.
Finanzielle Schäden: Kosten entstehen beispielsweise durch IT-Wiederherstellung, Ausfallzeiten und externe Unterstützung.
Rechtliche Konsequenzen: Datenschutzrechtliche Pflichten können anfallen; je nach Sicherheitsvorfall können Meldepflichten bestehen.
Vertrauensverlust: Patientinnen und Patienten erwarten einen verantwortungsvollen Umgang mit ihren persönlichen Daten.
Eine gute Sicherheitsstrategie schützt daher sowohl die IT als auch die Handlungsfähigkeit der Praxis.
Krisenfall: was tun?
Notfallplan bei Cyber-Attacke: Was können Sie im Krisenfall tun?
Sie vermuten einen Cyberangriff? Dann sollten Sie schnell und durchdacht handeln, damit sich die Schadsoftware nicht weiter ausbreiten kann. Für den Ernstfall gibt es konkrete Notfallpläne und Schritt-für-Schritt-Anleitungen: Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) stellt beispielsweise eine IT-Notfallkarte sowie technische und organisatorische Checklisten bereit. Für Ihre Praxis sollte daraus ein individueller Ablauf entstehen: Wer wird informiert? Wer entscheidet über Maßnahmen? Und wie bleibt die Patientenversorgung bei einem IT-Ausfall möglichst sicher organisiert?
So sieht der empfohlene Ablauf aus:
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Mitarbeitende informieren umgehend die Praxisleitung und den zuständigen IT-Dienstleister, möglichst telefonisch oder über einen anderen, nicht betroffenen Kommunikationsweg. Halten Sie Zeitpunkt, Auffälligkeiten und bereits ergriffene Maßnahmen schriftlich fest. Bewahren Sie verdächtige E-Mails auf, ohne Links oder Anhänge erneut zu öffnen. Eine Orientierung bietet die organisatorische Checkliste des BSI.
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Trennen Sie betroffene Geräte vom Netzwerk und Internet, etwa indem Sie das Netzwerkkabel ziehen und das WLAN deaktivieren. Trennen Sie außerdem USB-Sicherungen und externe Festplatten, damit die Schadsoftware nicht auf Backups übergreifen kann. Starten Sie keine eigenständigen Lösch-, Bereinigungs- oder Neuinstallationsversuche und schalten Sie Geräte nicht unüberlegt aus. Stimmen Sie weitere Eingriffe mit Ihren IT-Fachleuten ab, damit wichtige Spuren erhalten bleiben. Mehr dazu in der technischen Checkliste des BSI.
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Als praxisspezifischen Bestandteil empfehlen wir einen vorbereiteten Ersatzbetrieb, beispielsweise mit Papierdokumentation. Die Praxisleitung muss entscheiden können, welche Behandlungen ohne verlässlichen Zugriff auf Befunde, Medikationspläne oder andere notwendige Informationen noch sicher möglich sind. Legen Sie dafür vorab Zuständigkeiten und Ausweichverfahren für Dokumentation, Terminverwaltung und Kommunikation fest.
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IT-Fachleute untersuchen, welche Systeme und Daten betroffen sind. Parallel prüft die Praxis mit ihrer Datenschutzberatung beziehungsweise dem Datenschutzbeauftragten die Meldepflichten. Eine meldepflichtige Datenschutzverletzung ist unverzüglich und möglichst innerhalb von 72 Stunden nach Bekanntwerden an die zuständige Datenschutzaufsichtsbehörde zu melden (Art. 33 DSGVO). Die Meldung entfällt, wenn voraussichtlich kein Risiko für die Rechte und Freiheiten der Betroffenen besteht. Bei voraussichtlich hohem Risiko sind grundsätzlich auch die betroffenen Personen unverzüglich zu benachrichtigen. Weitere Informationen finden Sie beim BfDI.
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Erst nach Untersuchung und Absicherung erfolgt die Wiederinbetriebnahme, gegebenenfalls durch Neuaufsetzen und Wiederherstellung aus geprüften, nicht kompromittierten Sicherungen. Spielen Sie Backups erst zurück, wenn die Sicherheitslücke gefunden und die Malware entfernt wurde. Ändern Sie Zugangsdaten und prüfen Sie Ihre Sicherheitsmaßnahmen. Anschließend werden Ursache, Schutzmaßnahmen und Notfallablauf überprüft, damit Sie beim nächsten Mal noch besser vorbereitet sind.
Wichtig: Zahlen Sie kein Lösegeld, sondern vertrauen Sie auf die Expertise Ihres IT-Dienstleisters.
So schützen Sie Ihre Praxis
Mit welchen Schutzmaßnahmen kann man sich vor einem Angriff von Hackern schützen?
Statt gut vorbereitet auf Cybercrime zu reagieren, lassen Sie es erst gar nicht zu einer Attacke kommen. Mit höchsten Sicherheitsstandards, einer zuverlässigen Sicherung der Dateien und gut geschulten Mitarbeitenden reduzieren Sie Angriffsmöglichkeiten.
Zuverlässige Datensicherung, regelmäßige Updates und Schulung des Praxisteams
Viele verschiedene Maßnahmen tragen zum Schutz Ihrer Praxissicherheit bei:
- Sicherung der Daten: Sichern Sie wichtige Praxisdaten regelmäßig. Bewahren Sie mindestens eine Sicherungskopie getrennt vom laufenden Netzwerk auf, beispielsweise auf einer externen Festplatte. Schützen Sie Backups und testen Sie, ob sich die Daten vollständig wiederherstellen lassen.
- Firewall und Virenschutz: Achten sie auf die Einhaltung hoher Sicherheitsstandards, beispielsweise bei Virenschutz und Firewall.
- Regelmäßige Updates: Installieren Sie zeitnah Sicherheitsupdates für Praxissoftware, Router und weitere Geräte. Ersetzen Sie nicht mehr unterstützte Systeme und prüfen Sie, ob Zugänge ausreichend abgesichert sind.
- Schulung des Praxis-Teams: Sensibilisieren Sie alle Mitarbeitenden für Phishing und verdächtige Anhänge. Besprechen Sie das Vorgehen bei einem IT-Notfall.
Hinter einem Vorfall steckt nicht immer Ransomware
Die Gefahr eines digitalen Angriffs ist heute höher denn je – sie ist aber nicht das einzige Risiko für Praxen. Nicht immer stecken Cyberkriminelle hinter einem Sicherheitsvorfall. Manchmal ist die Ursache viel banaler: eine technische Störung. Auch wenn das PVS nicht richtig arbeitet, weil Updates nicht ausgeführt wurden oder Software und Betriebssystem nicht kompatibel sind, kann es zum Verlust sensibler Daten kommen.
Bringen Sie Ihre IT-Infrastruktur auf den neuesten Stand
Digitalisierung – aber mit den passenden Sicherheitsmaßnahmen. Wir unterstützen Sie bei Ihrer IT – von der Installation des PVS bis hin zur Sicherstellung von Cybersecurity und Datenschutz.
Prävention
Rechtzeitig vorbeugen: Sicherheitskonzept für Praxis-IT
Statt erst im Fall eines IT-Notfalls zu reagieren, sollten Sie Ihre Sicherheit systematisch planen. Eine individuelle Strategie berücksichtigt die vorhandenen Geräte, die eingesetzte Praxissoftware, TI und Schnittstellen. Sie stellt regelmäßige Sicherheitsprüfungen ebenso sicher wie eine umfangreiche Schulung des Praxisteams. Wichtig dabei ist auch, dass das Sicherheitskonzept kontinuierlich aktualisiert wird. Denn Cybersecurity ist keine einmalige Aufgabe, sondern ein fortlaufender Prozess.
Gut zu wissen
Die KBV und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) stellen Checklisten und Materialien bereit, um die Sicherheit im Praxisalltag zu verbessern. Dazu zählt auch die IT-Notfallkarte des BSI, die Sie als Grundlage für Ihren eigenen Praxis-Notfallplan nutzen können.
Mehr als eine Notfallnummer: Doctago, Ihr IT-Dienstleister für die Praxissicherheit
Sie möchten wissen, wie sicher Ihre IT aufgestellt ist? Gerne nehmen wir von Doctago Ihre bestehende Infrastruktur für Sie unter die Lupe und identifizieren mögliche Schwachstellen, bevor daraus ein ernstes Problem wird.